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Frankfurt/Main (dpa) - Ralf Rangnick ist in den vergangenen Monaten für nahezu jedes Amt gehandelt worden, das im deutschen Fußball frei wurde.

Doch selten passte ein Gedankenspiel über die Rückkehr des 62-Jährigen so gut wie jetzt mit Eintracht Frankfurt: Extrem ehrgeiziger Fußball-Professor strebt anspruchsvolle Aufgabe mit Gestaltungsfreiraum an und Champions-League-Club in spe sucht gleichzeitig Trainer, Sportdirektor und Sportvorstand. Gesucht, gefunden? So einfach ist es nicht, doch erste Medienberichte über ein mögliches Engagement sind deutlich mehr als substanzlose Gerüchte.

Laut «Bild-Zeitung» soll es am Donnerstag zu einem ersten Treffen zwischen den Hessen und Rangnick kommen. Der gewiefte und eloquente Trainerroutinier, der bereits Leipzig, Schalke, Hoffenheim, Hannover und Stuttgart trainierte, wurde von Sky schon als «Wunschlösung» der Eintracht für die Nachfolge von Adi Hütter tituliert, als diese Rangnick und dessen Management noch gar nicht kontaktiert hatten.

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Klar scheint: Nach Hütter (geht nach Gladbach) und Sportdirektor Bruno Hübner (hört auf) dürfte sich im Sommer auch Sportvorstand Fredi Bobic verabschieden, er wird mit Hertha BSC in Verbindung gebracht. Bei der Eintracht, die sportlich gerade so glänzt wie lange nicht mehr, entsteht ein riesiges Machtvakuum. Aufsichtsratschef Philip Holzer hat an allen Ecken und Enden zu tun, um das Führungsteam für die kommende Saison schnellstmöglich aufzustellen. Rangnick, der eine solche Doppelrolle schon in Leipzig erfolgreich ausfüllte, wäre dabei eine naheliegende Lösung.

Doch nachdem dieser medial bereits vor der ersten Kontaktaufnahme als Kandidat gehandelt wurde, stellt sich auch die Frage: Versucht sich der Traditionsclub am Main an diesem Königstransfer? Oder wird Rangnick derzeit sicherheitshalber einfach in jede Personaldebatte geworfen, die es im deutschen Profifußball gibt? Seit Jahresbeginn sollte der derzeit vereinslose Fußball-Fachmann nämlich auch schon Schalke-Retter, Marco-Rose-Nachfolger und Bundestrainer werden.

Die ersten beiden Optionen haben sich zerschlagen. Auch die dritte ist inzwischen sehr unwahrscheinlich geworden, wenngleich DFB-Vizepräsident Hermann Winkler am Mittwoch für Rangnick als Nachfolger für Joachim Löw nach der EM im Sommer warb. «Dass er strategisch der richtige Mann ist, hat er oft bewiesen», sagte Winkler der «Leipziger Volkszeitung».

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In Frankfurt indes könnte Rangnick über ein Riesenreich verfügen. Der in den vergangenen Jahren immer weiter gewachsene Club steht finanziell exzellent da. Auch der Kader birgt wertvolle Schätze wie Torjäger André Silva, Flügelspieler Filip Kostic oder Nationalspieler Amin Younes, die alle seit Monaten auf so einem Top-Level spielen, dass Dortmund (sieben Punkte) und Leverkusen (neun) in der Tabelle sehr deutlich distanziert wurden. Zudem könnte Rangnick bequem aus einer Doppelfunktion starten und den Club anschließend mit eigener Trainerbesetzung so aufstellen, wie es ihm gefällt.

Das Trio Hütter, Hübner und Bobic wird dann wohl geschlossen weg sein, kann aber bis dato noch den erstmaligen Königsklassen-Einzug perfekt machen. «Und es ist eines mal ganz klar: es geht nicht um Adi Hütter, sondern um Eintracht Frankfurt. Und wir haben gemeinsam ein großes Ziel. Dafür geben wir alles», sagte der Österreicher der «Bild».

Egal, ob Champions League oder nicht: Das Interesse an Spielern wie Silva oder Kostic wird riesig sein. Zudem ist offen, ob Leihgabe Luka Jovic bleibt oder zu Real Madrid zurückkehrt. Die Eintracht dürfte also versuchen, alle offenen Fragen in den Führungsgremien zu klären, bevor die Transferphase im Sommer ansteht.

© dpa-infocom, dpa:210414-99-197415/3

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